Mai 17, 2010
Nichts Neues in Spanien: Vorjahresmeister FC Barcelona konnte auch die spanische Fußballmeisterschaft 2010 gewinnen. Für den spanischen Rekordmeister Real Madrid reichte es wie im Vorjahr nur zu Rang 2 in der Primera Division. Das Fernduell der beiden spanischen Spitzenteams verfolgten gestern wohl fast alle Spanier vor dem Fernseher oder in den beiden Stadien. Ganz gleich, in welchem Landesteil das Duell verfolgt wurde, in den vielen Kneipen Spaniens und seiner Inseln herrschte beste Stimmung – sofern die Fans nicht Real Madrid Anhänger waren.
Barça machte gestern den 20. Meistertitel perfekt. Am letzten Spieltag in der Primera Division siegte der FC Barcelona mühelos mit 4:0 gegen Absteiger Real Valladolid. Dabei wurde die zweite Halbzeit wieder einmal zur Show des Lionel Messi. Dem Argentinier gelang in der zweiten Halbzeit im Stadion Camp Nou ein Doppelpack, so dass er mit stolzen 34 Toren am Ende Torschützenkönig der Saison 2009/2010 in Spanien wurde. Mit dem Sieg kam der FC Barcelona am Ende auf 99 Punkte nach 38 Spieltagen – so viel konnte noch nie ein Team in der Primera Division erreichen.
Erzrivale Real Madrid schaffte nur ein 1:1 beim FC Malaga. Das Tor für die Hauptstädter erzielte der Ex-Hamburger Rafael van der Vaart. Doch selbst ein Sieg hätte den “Königlichen” nichts eingebracht.
April 10, 2010
Die spanische Presse hat seit Tagen kein anderes Thema mehr. Auch die Bevölkerung auf der iberischen Halbinsel ist elektrisiert vor dem „Krieg zweier Monster“, wie „El País“ schreibt. „Es“, das ist der „Clásico“, das „Spiel des Jahrtausends“, wie die Sportzeitung „Marca“ den Showdown getauft hat. Eigentlich geht es nur um ein Fußballspiel, aber das dürfte man einem Spanier so nie, niemals ins Gesicht sagen.
Die Geschichte bezieht ihren Reiz, der dieses Mal ganz besonders hoch ist, aus mehreren einzelnen Komponenten, die – zusammengenommen – die am heutigen Abend (10. April 2010) um 22 Uhr im Madrider Estadio Santiago Bernabéu steigende Begegnung zu etwas Besonderem, zu etwas Epochalem machen. Oder zumindest machen könnten. Denn so viel, wie schon vor dem Spiel darüber geschrieben und gesprochen wird, muss die Partie Real Madrids gegen den FC Barcelona schon mindestens 5:3 oder 2:6 ausgehen, um Land und Zeitungen nicht enttäuscht zurückzulassen. 2:6 – so endete die letzte Begegnung der beiden Teams im Bernabéu. Barça versenkte Real in den Abgrund.
Mit jeweils 77 Punkten aus 30 Spielen führen Real und Barça die Tabelle an, 21 Punkte vor dem Dritten, Valencia. Wer am Samstag gewinnt, wird Meister, darin sind sich alle einig, aber das ist nur ein Teil der gehobenen Bedeutung, die dem Spiel zukommt. Ein weiterer: das „Duell“ Cristiano Ronaldo versus Lionel Messi. Der Vergleich zwischen ihnen (Ronaldo: 18 Saisontore, Messi: 26) allein würde schon genügen, um sämtliche Sportgazetten Spaniens für einen Monat vollzuschreiben. Und es gibt nicht wenige Sportzeitschriften dort.
Die dritte Komponente: Barcelona spielt schon wieder berauschend. Ließ Arsenal in der Champions League beim 4:1 (alle vier Tore durch Messi) keine Chance und will in dieser Saison nach dem Clásico noch einmal in Madrid vorspielen. Im Finale der Champions League, am 22. Mai – es findet im Bernabéu statt. Und auf jeden Fall ohne die Madrilenen, die sind im Achtelfinale rausgeflogen. Am Samstag werden sie alles daran setzen, den Katalanen wenigstens die Meister-Tour zu vermasseln. Messi wird wohl etwas dagegen haben.
April 7, 2010
Lionel Messi vom FC Barcelona ist schon mit vielen Attributen bedacht worden. Bester Fußballer der Welt ist davon nur eines. So langsam müssen sich die Fußballkommentatoren und –experten aber etwas mehr Mühe geben, um zu umschreiben, was dieser Lionel Messi denn nun wirklich ist. Oder was er noch werden kann, schließlich ist er noch keine 23 Jahre alt. Superlative jedenfalls werden bald nicht mehr reichen, wenn Messi weiter so Fußball spielt, wie er es am Dienstagabend im Champions-League-Viertelfinalrückspiel gegen Arsenal London wieder einmal getan hat – und davon muss ausgegangen werden.
Barcelona gewann 4:1 gegen die Engländer, die nach 18 Minuten plötzlich 1:0 führten und zu diesem Zeitpunkt, dank des 2:2 im Hinspiel, für das Halbfinale qualifiziert waren. Messi hatte bis dahin zwei, drei Halbchancen vergeben, und man konnte es auf einmal für möglich halten, dass es auch für ihn schlechtere Tage gibt. Doch dann, drei Minuten nach dem 0:1, zog er ab, aus 18 Metern, der Ball rauschte in den Torwinkel, 1:1. Eine Viertelstunde später schlenzte er den Ball dann am herausstürzenden Londoner Keeper Almunia vorbei, 2:1 für Barça, und nur weitere fünf Minuten später stürmte Messi wieder auf den bedauernswerten Schlussmann von Arsenal zu, lupfte die Kugel aus 14 Metern über ihn hinweg, es stand 3:1. Das Camp Nou, Europas größtes Fußballstadion, stand Kopf.
In der zweiten Halbzeit hatte Arsenal nichts mehr entgegenzusetzen, und Barcelona konnte Kräfte schonen für das Duell mit Real Madrid am kommenden Wochenende. Nur einer hatte nicht genug: In der 88. Minute umdribbelte – wer sonst – Messi zunächst ein paar Abwehrspieler, Almunia konnte erst parieren, musste den Nachschuss des kleinen Argentiniers dann aber durch die Hosenträger passieren lassen. Unglaubliche vier Tore hatte la pulga, der Floh, wie sie ihn in Barcelona nennen, an nur einem Abend erzielt. Superlative reichen eigentlich jetzt schon nicht mehr, um zu beschreiben, wie dieser Lionel Messi Fußball spielt.