In der Ukraine geht die Angst um vor einem historisch einmaligen Vorfall. Denn noch nie musste ein Land die Austragung einer Fußball-Europameisterschaft an den Europäischen Fußballverband (UEFA) zurückgeben. UEFA-Boss Michel Platini, selbst Europameister 1984 mit Frankreich, wird heute (07. April 2010) in der Ukraine erwartet, um sich ein Bild von den aktuellen Zuständen der Infrastruktur zu machen. Viel wird er dabei nicht zu sehen bekommen, vor allem nicht viel Gutes.
Während Co-Austragungsland und Nachbar Polen offenbar alle anfänglichen Probleme beim Bau und der Modernisierung der vier EM-Stadien überwunden hat, so scheint die Situation in der Ukraine immer katastrophaler zu werden. In Lwiw etwa wurde 2009 so gut wie nicht am Stadion gebaut – gut möglich, dass Platini und seine Entourage der Stadt den Status der EM-Stadt abzuerkennen. Auch in Donezk und in Charkow gibt es massive Probleme. So sind die Arbeiten am Flughafen in Donezk seit Monaten überhaupt nicht voran gegangen, in Charkow sieht es ein wenig besser aus – was der Stadt Hoffnung macht, dass Platini nur eine Warnung ausspricht.
Auch in der Hauptstadt des Landes, in Kiew, fürchtet man den Besuch der UEFA-Delegation um Platini. Hauptsorgenkind hier ist das Olympiastadion, dessen Modernisierung stagniert. Überall im Land fehlt das nötige Geld, zudem hat der lange und harte Winter die Arbeiten zusätzlich erschwert.
Für die UEFA wäre es ein Skandal und ein Millionenverlust, sollte die Ukraine als Austragungsland scheitern. „Die EM 2012 ist das wichtigste Projekt der Ukraine seit ihrer Unabhängigkeit vor 19 Jahren», so Alexander Jaroslawski, der Besitzer des Fußball-Vereins Metallist Charkow. Wenn die Ukraine das nicht hinbekäme, dann „blamieren wir uns in aller Öffentlichkeit.“ Ukrainische Medien haben derweil Michel Platini dahingehend zitiert, dass – sollte die Ukraine scheitern – Deutschland als zweiter Ausrichter bereit stehe.