Wenn ein Präsident eines Fußballclubs eine Schiedsrichterentscheidung für falsch hält, erfährt die Öffentlichkeit in der Regel kurz nach dem Spiel in Fernseh- oder Zeitungsinterviews davon. In den meisten Fällen kommt der Unparteiische dabei nicht besonders gut weg, in der deutschen Bundesliga ist das des Öfteren zu beobachten. In Bulgarien liegen die Dinge zwar nicht grundsätzlich anders. Doch wie am Freitag bekannt wurde, machte Wenzislaw Stefanow von genannter Regel eine Ausnahme – er griff bereits während des laufenden Spiels ein.
Allerdings: eine Schiedsrichterentscheidung lag zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich vor. Eher eine Nicht-Entscheidung. Stefanow nämlich sah, dass ein Juniorenspieler seines Clubs Lewski Sofia (Europacup-Halbfinalist 1967) auf dem Spielfeld zusammengebrochen war, der Referee diesen Umstand jedoch nicht richtig registrierte und eben nicht die Entscheidung fällte, das Spiel zu unterbrechen. Also rannte der Präsident kurzerhand auf den Platz, während die Mannschaften weiterspielten, und leistete dem Nachwuchskicker Erste Hilfe. Der hatte nämlich seine Zunge verschluckt und kollabierte daraufhin. Es ist gut möglich, dass Stefanows Entscheidung dem jungen Spieler das Leben rettete.
Hinterher gab Stefanow zu Protokoll, dass er nicht erst warten wollte, bis der Schiedsrichter seine Zustimmung gegeben habe. Und fügte hinzu: „Ich hätte es für jeden Spieler getan, nicht nur für einen Spieler im Slawia-Trikot.“